08.12.09

Das gesprochene Wort in der LichtGotikLiturgie

Beinahe kein gesprochenes Wort erklang bei der beeindruckenden LichtGotikLiturgie am 6.12. in der Stadtkirche - aber dies hatte Dekan Ralf Albrecht in der Kurzpredigt zu sagen ...

LichtGotik 2009 in der Nagolder Stadtkirche - 1000 Leute erleben Prätorius und seine Weihnachtsmesse

Hier die Kurzansprache im Wortlaut, die nach dem Credo folgte:

 

Wir glauben all an einen Gott. Welche Elementarität und Kraft der Glaube hier gewinnt. Wer dieses Credo, dieses Glaubensbekenntnis gehört hat, kann nicht mehr vergessen: wir glauben nicht vorrangig mit dem Kopf. Wir denken den Glauben nicht. Wer den Glauben allein bedenken will, wird immer vor einer letzten Grenze stehen bleiben.

 

Sondern geglaubt wird mit dem Ohr und mit dem Herzen.

 

Mit dem Ohr. Zu hören, was den Glauben der Weihnacht ausmacht.

 

Im Weihnachtsgeschehen ist die ganze Dreieinigkeit bekannt und präsent.

 

Wir glauben all an einen Gott. An Gott, den Schöpfer.

 

Der Schöpfer, der das Wunder der Kindwerdung schafft (Strophe 1). Gott wird ein Kind.

 

Das kann man nur hören und glauben. Und dann geht es tief ins Herz. Ein Kind. Unsres Herzens Wonne leit in presipio.

 

Liegt in der Krippen bloß.

 

Was für ein Wunder, ein Kind. Dass Gott dies schaffen kann. Bei jedem Kind begegnen wir Gott auf frischer Tat. Das kann vor allem der sagen, der einmal eine Geburt miterlebt hat. Und in einer Tiefe ohne jedes Beispiel jede Mutter. Neues Leben bricht sich Bahn, in der höchsten Bedrohung der Wehen liegt das größte Geheimnis der Neugeburt. Und so wird Gott. Ein Kind. Unsres Herzens Wonne. Das kann man hören und glauben.

 

Wir glauben all an einen Gott. An Gott, den Sohn, den Erlöser. DEN Menschen. Siehe, der Mensch, wird später DER Repräsentant der weltlichen Macht, der einzige Mensch, der mit Namen Eingang ins Glaubensbekenntnis gefunden hat, sagen. Gelitten unter dem Pontius Pilatus hat Gott, der Mensch, der bekannte: ecce, siehe, der Mensch!

 

Wie singt es „In Dulci Jubilo“?

 

Groß ist des Vaters Huld;

 

der Sohn tilgt unsre Schuld.

 

Wir warn all’ verdorben

 

durch Sünd’ und Eitelkeit;

 

so hat er uns erworben

 

die ewig’ Himmelsfreud’.

 

Da kann man viel bedenken – aber es glaubt, wer hört und wem es zu Herzen geht. Meine Schuld hat dieser Gott getragen.

 

Wir glauben all an einen Gott. An Gott, den Heiligen Geist, den Vollender.

 

Oder, wie es Martin Luther in unserem Credolied in einer kühnen Neuinterpretation des Credo-Textes vom Johannesevangelium her dichtet: Der aller Schwachen Tröster heißt.

 

Tröstlicher kann Gott den Schwachen nicht nahe kommen als im Wunder von Weihnachten. Als in der Nacht. Als jenseits der großen Stadt Jerusalem in dem kleinen heilsbedeutsamen Ort Bethlehem. Als jenseits der überfüllten Räume in dem einzigen übrigen Herbergsraum. Nicht tröstlicher als in einem völlig hilflosen neugeborenen Kind. Nicht tröstlicher als in Windeln gewickelt und in einem harten Holztrog zur ersten Ruhe gelegt – und in einem geliehenen Grab zur vorletzten.

 

Gott heißt der Schwachen Tröster.

 

Darüber kann man lange nachdenken.

 

Und dann doch letztlich nur hören und es ins Herz sinken lassen an diesem Abend.

 

Und dann geschieht das gleiche Wunder damals in meinem Herz neu. Da wird Gott von neuem innerlich geboren.

 

O Jesu parvule,

 

nach dir ist mir so weh.

 

Tröst mir mein Gemüte,

 

o puer optime;

 

durch alle deine Güte,

 

o princeps gloriæ,

 

trahe me post te.

 

Zieh mich hin zu Dir.

 

Dieser Choral ist ja eines der wenigen Lieder, die in sich bereits mehrsprachig sind. Das ist eine ganz besondere Sache mit diesen – makkaronisch genannten – in sich mehrsprachigen Liedern.

 

Hier lateinisch – deutsch. Gelehrten- und Weltsprache, sowie Heimat-, Verstehens- und Herzenssprache. Beides braucht es. Beides kann es sein. Hier reicht eine Sprache nicht mehr. Das Wunder ist zu groß für nur eine Sprache. Da versagt eine Sprache allein, diese Glaubensweite zu fassen.

 

So singt der Choral zum einen in Latein. Denn dieses Weihnachtswunder ist zu klug, zu weltbeherrschend, kulturell, gesellschaftlich, politisch … zu bedeutend. Deshalb in der Weltsprache Latein abgefasst.

 

Und zugleich gilt dieses Wunder für mich ganz persönlich als Einladung heute hier und jetzt. Es gilt allen und jedem und mir so, als wäre ich jetzt die einzige in der Kirche. Deshalb genügt Latein nicht – deshalb mischt es sich mit der Sprache, die ich verstehe. Mit meiner Sprache. Es ist ja das Wunder für mich.

 

Trahe me post te, endet es.

 

Zieh mich hin zu Dir.

 

Besser ist wohl zum Schluss der Glaube nicht beschreibbar. Er reduziert sich letztlich auf dieses eine Herzensgebet, das darum bittet, dass Gott selbst uns in sein Herz schließt.

 

Möge die ganze LichtGotikLiturgie für jede und jeden von uns ein einziger solcher Gotteszug sein. Damit wir glauben. All. An einen Gott. Unseren Vater im Himmel. Amen.